Über Herrn Doktor zu Guttenberg wurde schon viel gesagt und geschrieben. Doch auch ich will noch ein paar Worte dazu loswerden, denn ich möchte gern die Vorwürfe entkräften, wonach es sich um eine Schmutzkampagne gegen seine Person handelt.
Vorab: Er wollte Doktor der Juristerei werden und hat sich in der Arbeit bei verschiedenen Quellen bedient. Das ist völlig legitim, solange man angibt, woher bestimmte Textauszüge stammen. Dieses Verfahren der Quellenangabe sollte einem zukünftigen Dr. jur. geläufig sein.
Der Presse-Coup
Heute erklärte sich zu Guttenberg und beging damit genialen Medienselbstmord: Es lief eine große Pressekonferenz, bei der fast alle Berlin-Journalisten waren. Jeder von ihnen erwartete eine Aussage vom Regierungssprecher oder dem Sprecher des Verteidigungsministeriums.
Doch die konnten oder wollten nichts sagen, denn während diese große Pressekonferenz lief, gab zu Guttenberg seine Erklärung im kleinen Kreis ab – vor handverlesenen Journalisten. Besser kann man es sich nicht mit der Presse verscherzen.
Er erklärte, die Arbeit sei so umfangreich gewesen, dass man da schonmal die eine oder andere Fußnote vergessen kann. Kein Ding – das passiert. Leider passt die Erklärung nicht zu diesem Sachverhalt. Das zeige ich Euch mal an einem Blindtext-Beispiel.
Entweder zitiert man einen ganzen Absatz:
“Lorem ipsum dolor sit amet, consetetur sadipscing elitr, sed diam nonumy eirmod tempor invidunt ut labore et dolore magna aliquyam erat, sed diam voluptua. At vero eos et accusam et justo duo dolores et ea rebum. Stet clita kasd gubergren, no sea takimata sanctus est.”
oder man fügt eigene Sachen in den Original-Wortlaut ein, indem man sie abtrennt:
“Lorem ipsum dolor sit amet”, sagte er, denn er musste ja “sed diam nonumy eirmod tempor invidunt ut labore”. Das jedoch ist nicht der Grund, weshalb man “sed diam voluptua. At vero eos et accusam et duo dolores”. Und so kann man sagen, dass “takimata sanctus est”.
Die vergessenen Gänsefüßchen
Wenn man ganze Textabschnitte einer Quelle zitiert, setzt man Anführungsstriche davor sowie dahinter (siehe erstes Beispiel) und übernimmt den Ausgangstext unverändert. Allerdings hat er am Wortlaut gebastelt, was man in der Plagiats-Übersicht gut erkennen kann.
Vergessene Gänsefüßchen wären logisch und entschuldbar, hätte er die übernommenen Absätze im Original-Wortlaut verwendet. Genau das hat er aber nicht getan. Mit diesem Erklärungsansatz hat er also schonmal den Zonk gezogen.
Wollte er – wie in meinem zweiten Beispiel gezeigt – eigene Bemerkungen einfließen lassen, hätte er während des Schreibens Anführungszeichen gesetzt. Ihr glaubt doch selbst nicht, dass er über 400 Seiten geschrieben hat und die Anführungszeichen erst hinterher setzen wollte.
Damit wäre auch die zweite Möglichkeit, Anführungszeichen (und Quellenangaben) vergessen zu haben, ausgeschlossen. Es sieht also danach aus, dass das keine Versehen waren. Wenn alles mit rechten Dingen zugeht, ist die politische Karriere von ihm damit beendet.
Wer einen Doktor-Titel auf diese Art erschleicht, hat eine Leiche im Keller. Nun kam unerwarteter Besuch und sie wurde entdeckt. Wenn das schon eher jemand gemerkt hätte, wäre er vielleicht nicht dahin gekommen, wo er jetzt ist. Daran sollten alle denken, die ihn als Kanzler wollen.







Name: Kalliey® | Datum: 18.02.2011 | Zeit: 23:41
Ganz ehrlich: Wenn das, dass einzige Problem wäre was wir in Deutschland hätten, würde ich mir darüber Gedanken machen…