P wie “peinlich”
Autor: NetzBlogR | Datum: 1. September 2009 | Zeit: 21:55 | Klicks: 430
… oder “Piratenpartei”! Auf deren Seite kann man unter dem Artikel KlaARRRRRRRmachen zum Ändern! einen Info-Flyer herunterladen, ausdrucken und Werbung machen. Es wird aber auch eine “Print”-Datei angeboten, um es in einer Druckerei auf Papier zu bannen.
Ich nehme das Ding jetzt einfach mal Stück für Stück auseinander. Zuerst kommt die handwerkliche Umsetzung, dann die sprachliche und die rechtliche Seite.
Ich werfe jetzt 20 Euro ins Schweinderl für Phrasen, die man nicht sagen soll: Der Flyer wurde offenbar privat von jemand gemacht, der a) schonmal von einem Praktikum bei einer Werbeagentur geträumt hat und b) niemand bezahlen wollte, der sich auskennt.
1. Im Artikel wird mit dem Fachwort “3mm Beschnitt” um sich geworfen. Den sucht man allerdings vergebens. Schickt man den Flyer so zu einer Druckerei und sie druckt es ohne Rückfrage, dann sind entweder die Ränder zu eng oder man hat weiße Schnittkanten.
2. Das Piraten-Partei-Logo ist schwarz. Für die meisten “Normalanwender” ist das völlig ausreichend. Allerdings ist das Schwarz aus den vier Druck-Grundfarben Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz zusammengemischt.
Beim Logo in dieser Größe ist das noch hinnehmbar. Der Kreis mit Fahne wird aber auch als Aufzählungszeichen verwendet. Und das gibt im Offset-Druck mit Sicherheit hässliche und vor allem unscharfe bunte Ränder.
3. Satztechnisch ist der Flyer eine Zumutung: Auf den Innenseiten herrscht ein viel zu breiter Blocksatz, bei dem die erste Zeile schon falsch umbrochen ist. Außen gibt’s plötzlich Zentrierung. Außerdem wurde das letzte Wort eines Absatzes getrennt. So etwas ist häss-
lich!
4. Die Rechtschreibung ist fast gelungen. Die “Andreasstrasse” ist allerdings der Beweis, daß die Piraten mit der SS sympathisieren. Ist jetzt eigentlich eine Andreass-Trasse oder eher die Andreas-Straße gemeint?
5. Im Impressum ist der Name eines Fotografs bei “Foto des Reichstages” genannt – ein Foto sucht man vergebens. Es gibt aber eine Vektorgrafik, die die Umrisse des Reichstags zeigt. Das Original ist nicht mehr erkennbar und die Namensnennung somit Mumpitz.
6. Die Forderung “für das Recht auf Privatkopie” ist ebenfalls überflüssig: Privatkopien sind zwar in enge Rahmen gezwängt aber nicht verboten. Sie werden auch nicht strafrechtlich verfolgt – es sei denn, man verkauft seine 20.000 Privatkopien über eBay.
“KlaARRRRRRRmachen zum Ändern!”
Wenn man die PDF in Acrobat Pro öffnet und über Datei > Eigenschaften geht, sieht man, womit sie erstellt wurde. In dem Fall ist es “InDesign CS4 (6.0)”. Da stutzt der geneigte Designer, denn InDesign CS4 war erst seit Patch 6.0.1 wirklich verwendbar.
Eigentlich reicht es, Adobe Updater zu starten und die Programmupdates zu installieren. 6.0.3 für InDesign gibt es schon seit Juni. Mal hinter vorgehaltener Hand: Scheinbar fürchtet der Ersteller, daß er damit die Aktivierung seiner Master-Collection-Privatkopie zerlegt…
Update 01.09.2009, 23:10: Der Flyer wurde von der Seite genommen, um nach Korrektur neu dort zu erscheinen. Offenbar war meine Kritik doch nicht so sinnlos, wie von einigen Großklappen (oder sollte ich sagen: ahnungslose Nichtsblicker?) behauptet.
Update 02.09.2009, 13:06: Hätte ich einen Flyer von den großen Volksparteien so zerrissen, hätte ich wahrscheinlich Beifall in den Kommentaren bekommen. Denkt mal drüber nach!
Update 02.09.2009, 18:06: Mich erreichte eine Mail vom Ersteller des Flyers und ich wurde gefragt, ob ich vor der neuen Veröffentlichung nochmal drüber schauen möchte. Mache ich natürlich. Schließlich sollte man jedem die Chance geben, Fehler auszumerzen.
Update 03.09.2009, 17:51: Hab’ heute Nacht den korrigierten Flyer bekommen. Einiges (z.B. die Logo-Farbe) hat sich gebessert aber diverse Dinge (Bündigkeiten, Abstände) muß ich doch anmahnen.
NewsShit! stellt einige Themen überspitzt satirisch dar. Bitte erst nachdenken und dann kommentieren!



Habe den Beitrag mal in den Kommentaren zum Flyer verlinkt damit deine Hinweise nicht versickern.
Allerdings zu 6.: Zivilrechtliche Verfolgung, Kopierschutzmaßnahmen.
Oder anders gesagt: Deinen Punkt 6 hättest dir sparen können.
NewsShit! Wie ich bei 6. bereits schrieb: “in enge Rahmen gezwängt”. Die Faustregel “7 Kopien für Freunde” gilt weiterhin – solange man es nicht übertreibt. Warum es Kopierschutzmaßnahmen gibt? Richtig: Weil jeder Furz denkt, er könnte mit dem geistigen Eigentum anderer machen, was er will…
1-3 öhm Wayne?
4 In China fällt ein Sack Reis um, aber gut, Kritik darf man gelten lassen
5 wieder wayne.
6 In einer Zeit in der es sogar verboten wird alte Original CD’s zu verkaufen… *hust*
Rest: Mal schnell dem Author Raubkopiererei vorwerfen… ich glaub das passende Wort heißt “Verleumdung”
Fazit: Alles was hier peinlich ist, ist dieser Artikel
PS: Die verlinkte Datei ist 404 ;) *duckundweg*
NewsShit! Scheinbar interessiert es doch noch einige mehr als John. Zu Punkt 6: Welches Gesetz verbietet den Verkauf gebrauchter Tonträger? Quellenangabe nicht vergessen. Danke für den Hinweis mit dem falschen Link. Hab’s korrigiert.
Ich fasse einmal deine “news” auf:
“Ich werfe jetzt 20 Euro ins Schweinderl für Phrasen, die man nicht sagen soll: Der Flyer wurde offenbar privat von jemand gemacht, der a) schonmal von einem Praktikum bei einer Werbeagentur geträumt hat und b) niemand bezahlen wollte, der sich auskennt.
1. Im Artikel wird mit dem Fachwort “3mm Beschnitt” um sich geworfen. Den sucht man allerdings vergebens. Schickt man den Flyer so zu einer Druckerei und sie druckt es ohne Rückfrage, dann sind entweder die Ränder zu eng oder man hat weiße Schnittkanten.”
->
Anscheinend wurde deine seite über ein cms (wordpress) auch einfach mal eben so hingerotzt
3. Satztechnisch ist der Flyer eine Zumutung: Auf den Innenseiten herrscht ein viel zu breiter Blocksatz, bei dem die erste Zeile schon falsch umbrochen ist. Außen gibt’s plötzlich Zentrierung. Außerdem wurde das letzte Wort eines Absatzes getrennt. So etwas ist häss-
lich!
->
Sieht es auf deiner kleinen Homepage nicht besser aus
4. Die Rechtschreibung ist fast gelungen. Die “Andreasstrasse” ist allerdings der Beweis, daß die Piraten mit der SS sympathisieren. Ist jetzt eigentlich eine Andreass-Trasse oder eher die Andreas-Straße gemeint?
->
Wenn man etwas falsch schreibt muss man doch nicht zwangsweise mit etwas derartigem in verbindung gebracht werden, oder? Sehe den Kommentar als Abartig und Krank an.
6. Die Forderung “für das Recht auf Privatkopie” ist ebenfalls überflüssig: Privatkopien sind zwar in enge Rahmen gezwängt aber nicht verboten. Sie werden auch nicht strafrechtlich verfolgt – es sei denn, man verkauft seine 20.000 Privatkopien über eBay.
->
Natürlich sind sie durch das urheberrecht verboten, aber es wird nur nicht danach gefandet.
Es gibt in der politik keine “engen Rahmen” sondern nur feste Gesetze.
Wenn man die PDF in Acrobat Pro öffnet und über Datei > Eigenschaften geht, sieht man, womit sie erstellt wurde. In dem Fall ist es “InDesign CS4 (6.0)”. Da stutzt der geneigte Designer, denn InDesign CS4 war erst seit Patch 6.0.1 wirklich verwendbar.
Eigentlich reicht es, Adobe Updater zu starten und die Programmupdates zu installieren. 6.0.3 für InDesign gibt es schon seit Juni. Mal hinter vorgehaltener Hand: Scheinbar fürchtet der Ersteller, daß er damit die Aktivierung seiner Master-Collection-Privatkopie zerlegt…
-> Klugscheißerei und Blasphemie zum ersten Absatz, zum Zweiten gibt es Leute die nicht zwangsweise jedes update gut heißen. Ich greife einmal das Beispiel auf in dem Software-Updates herausgebracht werden die durchaus fehlerhaft sind, aber dazu wird man ja meist gefragt ob man ein Update auch wirklich durchführen will (Wurde ich schonmal darauf hingewiesen das meine daten überall weitergesendet werden? Achja…da war ein Häkchen… das hatte ich doch glatt “übersehen”^^ )
Ich möchte dich und deine nette kleine seite durchaus kritisieren, denn was du da ablässt ist geistiger dünnschiss. dies allerdings, ist eine feste Meinung!
Also liebe Leute, euer Flyer ist schon in weiteren 5000 Briefkästen verteilt, und wird auch die nächsten Tage von mir weiterverteilt, denn mein Drucker hat alles Prima herausgebracht, und einiges an positiver Resonanz bekam ich bereits zurück^^
NewsShit! Wow. So ein ausführlicher Kommentar. Darauf kann ich in einem Satz antworten: Der Artikel ist in der Kategorie “Sarkasmus” eingetragen – was das ist, steht im Duden (den Du offenbar nicht besitzt).
@flo: gerade 1-3 sind für halbwegs professionelle Ausenwirkung ziemlich relevant und nicht wayne.
Zum Verkauf gebrauchter Tonträger: es gab vor kurzem eine Meldung über einen Rechtsstreit, der dadurch ausgelöst wurde, dass jemand Bootlegs bei eBay verkauft hat, ohne zu wissen, dass es sich um einen solchen handelt, da er die CDs früher legal in einem Laden gekauft hat. Da man als Laie kaum feststellen kann, ob es sich um einen solchen handelt, wurde empfohlen, keine gebrauchten CDs mehr zu verkaufen.
1 bis 3 interessieren mich jetzt nicht so sehr, aber die 4 finde ich schon relevant. Auf einem Flyer darf es einfach keine Fehler geben. Die 5 halte ich für übertrieben, lieber etwas zuviel als etwas zuwenig.
Punkt 6 könnte meiner Meinung nach entfallen. Die Piratenpartei möchte das Recht der Privatkopie stärken. Dass sie das Recht erfinden möchte, wurde nicht gesagt. Die Forderung kann so ausgelegt werden, dass das Recht weiterhin bestehen soll. Das wurde nicht spezifiziert. Einem normalen Leser/Wähler wird das kaum auffallen. Es handelt sich nunmal auch in gewissem Sinne um Werbung.
NewsShit! Ich wäre für eine ganz einfache Regelung: Keine drei oder sieben: Eine Sicherheits-Kopie für jeden Original-Tonträger in meinem Besitz reicht aus. Fertig ist der Lack. Das mit den Bootleg-CDs ist leider ein unpassendes Beispiel für das gesamte Thema: Normalerweise sind Tonträger im Handel ja komplett legal und der spätere Weiterverkauf somit auch.
Oh je, als Pirat schäme ich mich.
Ich werd versuchen an die Datei ran zu kommen und sie zu verbessern, zumindest der Teil, der so gar nicht geht.
Nebenbei, auf meiner Hompage (sie ist alles andere als hübsch und ergonomisch) findet man Links zu den drei OpenSource-DTP-Programmen, die man braucht um mit reinem Gewissen gestalten zu können. Naja, vorrausgesetzt man hat ein gewisses gespühr für Ästhetik und hat mal mit nem echten Mediengestalter gesprochen, der Druckdaten aufbereiten kann.
So, und jetzt heißt es ab für mich aufs Piratenwiki und mein Know-How anbieten.
NewsShit! Brauchst Du nicht tun. Ich habe Kontakt mit dem Ersteller und werde den Flyer vor der neuen Veröffentlichung persönlich prüfen können :-)
Ich finde den Artikel göttlich. Mehr muss nicht gesagt werden. :)
Ich hätte den Artikel erst zu Ende lesen sollen, habe parallel beim lesen der Punkte versucht, die Fehler im Flyer zu entdecken und bin dann nach fünf Minuten auch endlich mal auf die Idee gekommen, dass der Beitrag eventuell schon ein paar Tage alt und die Version somit inzwischen möglicherweise korrigiert ist *g*
natürlich ists nicht unwichtig wie das gestaltet ist. denn es soll ja nicht den eindruck machen,dass die piraten unfähig sind. finde die kritik richtig. der punkt mit der STRASSE ist trotzdem nicht so gut…
Spamschutz-Code: Godwin
NewsShit! Wie gesagt: Der Artikel ist u.a. bei “Sarkasmus” einsortiert.